Amazon Shop eröffnen: Produkte weltweit vertreiben

Der große Onlinehändler wird entweder geliebt oder verteufelt. Fakt ist, dass die Marktanteile der Plattform weiter steigen, was sie für Drittanbieter interessant macht. Einen eigenen Amazon Shop zu eröffnen und weltweit Produkte zu verkaufen, ist überraschend einfach.

Was spricht dafür, einen Amazon Shop zu eröffnen?

Viele Gründer schreiben heutzutage in ihren Businessplan, dass sie auch (oder in vielen Fällen sogar ausschließlich) eine Online-Strategie für den Verkauf ihrer Produkte fahren. Über das Internet lassen sich weit mehr Kunden erreichen als über den stationären Einzelhandel – und manche Produkte sind einfach für einen Online Shop prädestiniert. Der Aufwand für einen Händler, den eigenen Webshop zu gestalten, aufzubauen und zu betreuen, ist jedoch relativ groß.

Hinzu kommt das Problem des Suchmaschinenmarketings, denn auch der schönste Onlineshop muss vom Kunden gefunden werden. Weiß man jedoch, dass ein Großteil aller Nutzer neben Google inzwischen Amazon für die Produktsuche benutzt, wird klar, dass es Vorteile hat, den eigenen Amazon Onlineshop zu eröffnen. Von hier aus kann man seine Produkte absolut gleichrangig mit den Millionen von anderen Artikeln in der Amazonwelt anbieten und sogar weltweit verkaufen.

  • Die Abwicklung über die gigantischen Logistik-Möglichkeiten von Amazon ist für Kunden und Händler gleichermaßen unkompliziert. Nun funktioniert die Plattform nicht für alle Produktgruppen gleich gut – doch bei vielen Artikeln liegen die Marktanteile von Amazon schon längst über denen der klassischen Läden im Einzelhandel.

Marktanteile von Amazon im 1. Quartal 2018 (laut Schätzung der Universität St. Gallen):

19,50% Bücher
16,30% Spielzeug, Sport & Freizeit, Babyartikel
16,20% Computer und Elektronik
10,30% Baumarkt, Haushalts- und Gartenartikel
2,80% Möbel, Wohnen
1,10% Drogerie- und Beautyartikel
1,10% Kleidung, Schuhe, Schmuck etc.
0,05% Lebensmittel

Diese Zahlen beziehen sich sowohl auf die Marktanteile im Onlinehandel als auch auf die von stationären Läden im Einzelhandel.

Video: Gründung als Amazon-Händler (Teil 1+2)

 

 

Marktanteile von Amazon im 1. Quartal 2018 (laut Schätzung der Universität St. Gallen): 19,5 % – Bücher

Marktanteile von Amazon im 1. Quartal 2018 (laut Schätzung der Universität St. Gallen): 19,5 % – Bücher

Immer mehr Existenzgründer eröffnen einen eigenen Amazon Shop

Mittlerweile übersteigt die Zahl der Händler, die auf Amazon aktiv sind, längst die Zahl von 100.000. Dies sorgt dafür, dass man auf der Verkaufsplattform mehr als 2 Millionen Artikel von über 60.000 Marken bekommen kann. Jeden Tag nimmt die Zahl der Onlinehändler zu, was den Konkurrenzdruck natürlich erhöht. Auf der anderen Seite ist das Geschäftsmodell sehr attraktiv, weil viele Abläufe und Zwischenschritte automatisiert werden.

Je nach gewähltem Händlermodell kann man den Versand in Eigenregie übernehmen oder alles über Amazon abwickeln lassen. Hierfür ist eine Kommissionierung der Ware erforderlich, man schickt also die zu verkaufenden Waren vorab an ein Logistikzentrum von Amazon, von wo aus sie (unter Umständen in alle Welt) verschickt werden können.

Dies hat Vorteile für alle Seiten: Amazon kann die Kunden schnell und problemlos bedienen, der Kunde erhält die gleichen Versandvorteile wie für von Amazon direkt verkaufte Artikel und der Onlinehändler muss sich nicht um die Logistik kümmern. Durch das globale Management der Warenwirtschaft hat der Konzern Möglichkeiten, die ein einzelner Onlinehändler mit eigener Versandlogistik so niemals haben wird – und eine Reichweite, die ohne große Schwierigkeiten die Waren auf allen Marketplaces von Amazon weltweit verfügbar machen.

Sollte man den Amazon Shop besser unter MFN oder FBA eröffnen?

Zwei Begriffe begegnen dem Drittanbieter sofort, wenn er seinen Amazon Shop eröffnen möchte. Entscheiden muss er sich zwischen den beiden Varianten:

  • FBA-Versand (Fulfilled By Amazon) oder:
  • MFN (Merchant Fulfillment Network)

Wer ein Händlerkonto im Marketplace eröffnen möchte, kann also entweder den Versand durch Amazon über die Kommissionierung erledigen lassen oder die Waren in Eigenregie an die Kunden verschicken. Während FBA mit zusätzlichen Gebühren zu Buche schlägt, erhöht MFN den Eigenaufwand. Letztlich hängt es von der Art und der Zahl der Artikel sowie von der eigenen Philosophie ab, welchen Weg man bevorzugt. FBA ist für viele Anbieter auf ausländischen Marktplätzen die beste Wahl, weil man die Logistik auf Amazon abwälzen kann.

Auf der anderen Seite wird man beim Kunden unter MFN eher als eigenständiger Händler wahrgenommen und kann so eine bessere Kundenbeziehung aufbauen. Denn bei FBA sieht der Kunde vor allem das „a“ von Amazon und nicht so sehr den Amazon Shop, der von einem hoffnungsvollen Gründer eröffnet wurde. Allerdings ist das Vertrauen in den Kundenservice und die Zuverlässigkeit bei FBA-Abwicklung in der Regel größer.

Wer ein Händlerkonto im Marketplace eröffnen möchte, kann also entweder den Versand durch Amazon über die Kommissionierung erledigen lassen oder die Waren in Eigenregie an die Kunden verschicken.

Wer ein Händlerkonto im Marketplace eröffnen möchte, kann also entweder den Versand durch Amazon über die Kommissionierung erledigen lassen oder die Waren in Eigenregie an die Kunden verschicken. (#02)

Kurzanleitung: So eröffnen Sie den eigenen Amazon Shop

  1. Auf der Amazon-Webseite muss man zunächst das Land auswählen, in dem sich der Sitz der eigenen Firma befindet.
  2. Dann erfolgt die Registrierung des Verkäuferkontos. Benötigt werden unter anderem eine Gewerbeanmeldung (bzw. Handelsregisternummer), eine Kreditkarte, verschiedene Unternehmens- und Kontaktdaten inklusive Telefonnummer sowie eine Bankverbindung.
  3. Wichtig: Auch wenn Sie auf anderen Marktplätzen von Amazon weltweit agieren, benötigen Sie in der Regel keine Bankkonten in den Zielländern – und auch keine Unternehmensadresse. Ein großer Vorteil, wenn man etwa in Japan oder USA als Anbieter eigener Waren auftritt.
  4. Jetzt werden die ersten Produkte eingestellt. Je mehr Produkte man verkaufen will, desto eher lohnt sich der Einsatz von professionellen Tools.
  5. Über Amazon FBA übernimmt das Unternehmen die gesamte Logistik inklusive Lagerung, Versand und Kundenservice, was die Warenwirtschaft erleichtert.
  6. Wenn Kunden etwas in einem Amazon Shop bestellen, informiert die Plattform den Verkäufer.
  7. Der Drittanbieter (also Sie) bearbeitet die Bestellung und löst den Versand aus – entweder in Eigenregie oder über FBA.
  8. Nachdem der Kunde bezahlt hat, transferiert Amazon Payments das Geld (abzüglich der anfallenden Provisionen und Gebühren) und schickt eine Benachrichtigung über die Überweisung.

Basiskonto oder Profi-Anbieter im eigenen Amazon Shop?

Wenn sie den eigenen Amazon Shop eröffnen, müssen Sie sich außerdem zwischen Basiskonto und professionellem Anbieterkonto entscheiden. Die Basisvariante ist dann interessant, wenn der Shop bei Amazon sich langsam entwickeln soll oder als Versuchsballon dient. Für die Erstellung des Basiskontos fallen keine Kosten an. Erst beim tatsächlichen Verkauf eines Produkts ist das der Fall, zusammengesetzt aus 0,99 € Grundgebühr sowie 7-15 % Verkaufsprovision (bezogen auf den Verkaufspreis zzgl. Umsatzsteuer) pro Artikel.

Wer viele Artikel verkauft, fährt mit dem professionellen Konto besser. Die Provision bleibt gleich, allerdings zahlt man statt der Grundgebühr pro Artikel eine monatliche Gebühr von derzeit 39 €, wodurch sich das Profikonto ab dem 41. verkauften Artikel bereits rentiert. Das Profikonto bietet mehr Funktionalität als das Basiskonto, ist aber nicht so bequem zu nutzen.

Der Verkauf in anderen Ländern ist vergleichsweise unkompliziert, bedarf jedoch einiger weiterer Formalitäten. Die gute Nachricht: Um etwa in den USA zu agieren, benötigt man keine Unternehmenspräsenz oder auch nur ein eigenes Bankkonto dort.

Der Verkauf in anderen Ländern ist vergleichsweise unkompliziert, bedarf jedoch einiger weiterer Formalitäten. Die gute Nachricht: Um etwa in den USA zu agieren, benötigt man keine Unternehmenspräsenz oder auch nur ein eigenes Bankkonto dort.(#03)

Einen Amazon Shop eröffnen und weltweit verkaufen

Ein besonderer Vorteil des Amazon-Systems liegt im Zugang zu globalen Märkten. Insgesamt verfügt das Unternehmen weltweit über:

  • 12 Marketplaces
  • mehr als 120 Logistikzentren
  • Zugang zu mehr als 180 Ländern
  • mehr als 30 Produktkategorien

Der Verkauf in anderen Ländern ist vergleichsweise unkompliziert, bedarf jedoch einiger weiterer Formalitäten. Die gute Nachricht: Um etwa in den USA zu agieren, benötigt man keine Unternehmenspräsenz oder auch nur ein eigenes Bankkonto dort. Allerdings muss man sicherstellen, dass die Waren im Zielland legal verkauft werden dürfen und andere Anforderungen eingehalten werden. Hierbei unterstützt Amazon die Läden aber mit viel Informationsmaterial und einem guten Support.

Innerhalb der EU ist die Abwicklung noch einfacher, allerdings muss man selbst dafür Sorge tragen, dass die Umsatzsteuern korrekt abgeführt werden. Da es in der Vergangenheit vor allem durch asiatische Händler auf europäischen Märkten zu Umsatzsteuerbetrug gekommen ist, werden entsprechende Gesetzeslücken zunehmend geschlossen. Die Umrechnung von Währungen übernimmt Amazon, so dass die Zielgruppen in den jeweiligen Ländern ihre Artikel in der üblichen Landeswährung kaufen können. Natürlich macht es Sinn, dass die Artikelseiten in den Landessprachen abgefasst werden, wenn man dort aktiv sein will. Dies muss man ebenfalls selbst übernehmen.

Fazit: Einen eigenen Amazon Shop zu eröffnen kann sich lohnen

Wer kein Problem mit der globalen Ausrichtung des Amazon-Konzerns hat, kann als Gründer von den Möglichkeiten profitieren. Die Reichweite herkömmlicher Onlineshops kann mit der von Amazon selten mithalten – jedenfalls nicht ohne professionelles SEO und SEM. Wer allerdings sein eigener Herr bleiben und als eigenständiger Händler wahrgenommen werden will, für den eignet sich das Modell weniger, da die Kunden vor allem Amazon als Geschäftspartner wahrnehmen.

Beim Potenzial, das man beim Verkauf und der Abwicklung der Warenwirtschaft über Amazon nutzen kann, tritt das jedoch für viele Anbieter in den Hintergrund. Insbesondere das Agieren auf weltweiten Märkten macht Amazon als Plattform für Onlineshops interessant, weil man relativ unkompliziert Zugang erhält. Auf Einzelheiten wie Umsatzsteuer und lokale Gesetzesbestimmungen beim Verkauf bestimmter Waren muss man aber dennoch achten. Außerdem benötigt man trotzdem einen ausgefeilten Businessplan, um erfolgreich den eigenen Amazon-Onlineshop zu betreiben.


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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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