Nebenjob als Vertriebspartner: Chancen und Risiken

Der Nebenjob als Vertriebspartner hat schon immer eine große Anziehungskraft auf alle ausgeübt, die einen Nebenverdienst mit freier Zeiteinteilung gesucht haben. Auch in Zeiten des Internets bleibt der Direktvertrieb ein wichtiges Standbein für viele Unternehmen.

Der Einkauf in den eigenen vier Wänden ohne Internet

Heute wird viel über den Online-Handel abgewickelt. Trotzdem bleiben Stellenangebote im Vertrieb für viele große Unternehmen der richtige Weg, neue Kunden zu gewinnen und Stammkunden bei der Stange zu halten. Hochwertige Produkte, die auch den Geldbeutel stärker belasten, werden in aller Regel besser verkauft, wenn die Kunden eine qualitativ hochwertige Beratung bekommen.

Aus diesem Grund ist der Nebenjob als Vertriebspartner noch immer sehr attraktiv, weil die Unternehmen hohe Provisionen für erfolgreiche Verkaufsabschlüsse ausschütten. Für jemanden, der Stellenangebote für einen Nebenjob sucht, den er neben dem eigentlichen Hauptberuf ausüben kann, bietet der Direktvertrieb in Aussendienst weitere Vorteile, weil er bei der Zeiteinteilung in der Regel sehr frei agieren kann.

Typische Produkte für den Vertrieb durch Berater im eigenen Heim sind:

  • Staubsauger
  • Versicherungen und Finanzprodukte
  • Kosmetik
  • Küchenutensilien

…und alle anderen Produkte, die sich durch Vorführungen vor Ort besser verkaufen lassen als in einem Karton im Ladengeschäft. Der Aspekt der persönlichen Beratung ist dabei entscheidend. Außerdem gibt es keinerlei Zeitdruck durch Öffnungszeiten oder ähnliche Faktoren und die Kunden können entspannt und ohne jeden Stress ihren Einkauf tätigen. Allerdings müssen sie aufgrund der hohen Preise bzw. langen Bindungen an bestimmte Verträge oft erst überzeugt werden.

Wer im Aussendienst als Berater im Vertrieb tätig ist, muss also viel Zeit in den einzelnen Kunden investieren, da Spontankäufe eher selten sind. Damit sich das lohnt, müssen die Provisionen ebenso attraktiv sein wie die Verkaufszahlen.

Die klassische Tätigkeit als Vertreter ist also wörtlich zu nehmen: Man vertritt ein Unternehmen bzw. eine Marke und die damit verbundenen Produkte. (#01)

Die klassische Tätigkeit als Vertreter ist also wörtlich zu nehmen: Man vertritt ein Unternehmen bzw. eine Marke und die damit verbundenen Produkte. (#01)

Der Gigajob im Direktvertrieb?

Das Klischee des „Klinkenputzers“, der dem Direktvertrieb im Außendienst anhaftet, ist lange gewachsen und wird vermutlich auch nicht ganz auszurotten sein. Leider gibt es immer wieder Stellenangebote von schwarzen Schafen in der Branche, die es den ehrlichen Verkäufern schwer machen. In der Regel sollte Ehrlichkeit nicht nur im Interesse der Kunden sein sodern auch des Unternehmes, in deren Namen der Berater auftritt.  Glänzen Sie mit guter Qualität und gutem Service, dann dürfte das der Beginn einer langfristigen Zusammenarbeit sein.

Die klassische Tätigkeit als Vertreter ist also wörtlich zu nehmen: Man vertritt ein Unternehmen bzw. eine Marke und die damit verbundenen Produkte. Dadurch, dass Vertriebsmitarbeiter in der Regel als Selbstständige auftreten, vertreten sie natürlich stets auch die eigenen Interessen und profitieren somit direkt von jedem Verkaufsabschluss. Der Nebenjob wird häufig als Alternative gewählt, wenn das Gehalt im Hauptjob nicht mehr ausreicht oder generell aufgestockt werden soll. Da der komplette Sprung in das kalte Wasser der Selbstständigkeit zugunsten der relativen Sicherheit eines festen Anstellungsverhältnisses gescheut wird, spielt die freie Zeiteinteilung eine wichtige Rolle in den Überlegungen. Denn ein Nebenjob sollte natürlich so gestaltbar sein, dass er sich mit den Arbeitszeiten im Hauptberuf nicht überschneidet.

Viele sehen die Nebenjobs daher als eine Art Feierabendbeschäftigung. Schließlich kann man Kunden, die selbst berufstätig sind, am besten abends erreichen. Allerdings wird ein solcher Nebenjob in der Einkommenshöhe oft nicht über einen typischen Minijob hinausgehen, denn wer nur wenig Zeit investieren kann, wird im Job als Vertriebspartner keine sehr hohen Vergütungen erzielen können. Die freie Zeiteinteilung ist zwar ein sehr wichtiger Aspekt, führt aber oft dazu, dass Mitarbeiter im Vertrieb nicht genügend Zeit investieren. Wer aus dem Minijob aber einen echten Gigajob mit relevantem Einkommen machen will, muss mehr Zeit aufwenden. Das kollidiert dann früher oder später mit dem Hauptberuf, weswegen irgendwann die Entscheidung getroffen werden muss, ob der Nebenberuf als Vertriebspartner zur Haupteinnahmequelle werden soll oder nicht.

Die Skalierbarkeit zum Gigajob hängt sehr stark von der zur Verfügung stehenden Zeit ab. Überhaupt ist die verlockende Aussicht der freien Zeiteinteilung in vielen Nebenberufen oft ein Trugschluss, denn er bedeutet schließlich zusätzliche Arbeitszeit zum Hauptberuf. Letztlich geht das zu Lasten der eigenen Freizeit und bedeutet zusätzliche Arbeit und damit verbunden viele Überstunden, die sich nach den Bedürfnissen der Kunden richten sollten.

Trotzdem: Wer damit klarkommt und lieber im Aussendienst auf eigene Rechnung arbeitet als im Innendienst für ein anonymes Unternehmen, kann im Nebenjob als Vertriebspartner durchaus erfolgreich sein.

Viele sehen die Nebenjobs daher als eine Art Feierabendbeschäftigung. Schließlich kann man Kunden, die selbst berufstätig sind, am besten abends erreichen. (#02)

Viele sehen die Nebenjobs daher als eine Art Feierabendbeschäftigung. Schließlich kann man Kunden, die selbst berufstätig sind, am besten abends erreichen. (#02)

Nicht immer führt der Nebenjob als Vertriebspartner zum gewünschten Erfolg

Ein Nebenverdienst als Vertriebspartner ist nichts für Menschen, die den persönlichen Kundenkontakt scheuen. Wer das mag, wird im Außendienst mit viel Abwechslung belohnt, die der Kontakt mit unterschiedlichen Persönlichkeiten mit sich bringt. Wer hingegen als Quereinsteiger einen Minijob sucht, um in Ruhe ein paar hundert Euro nebenher zu machen, wird im Nebenjob als Vertriebspartner nicht unbedingt glücklich werden. Es ist nun einmal nicht jedermanns Sache, bei fremden Menschen an der Tür zu klingeln. Im Innendienst erfolgt die Werbung neuer Kunden hingegen meist am Telefon oder schlicht online über die Betreuung von Online-Shops, was auch im Home Office geschehen kann.

Im Direktvertrieb ist und bleibt das Ziehen von Haustür zu Haustür jedoch nach wie vor das Maß der Dinge. Kommen wir zu den Verdienstmöglichkeiten. Sie hängen natürlich vom jeweiligen Geschäftsmodell ab, sind aber bei großen und seriösen Unternehmen in der Regel aus einem Fixum (also einer festen Gehaltszahlung) und der Provision aus den Vertragsabschlüssen zusammengesetzt. Nicht alle Firmen zahlen jedoch ein Fixum oder begrenzen es auf eine bestimmte Einstiegszeit. Das Fixum soll vor allem den Nebenjob als Vertriebspartner zu Beginn so attraktiv machen, dass es – zusammen mit der Provision – eine echte Alternative zum Hauptberuf darstellt. Denn obwohl der Nebenjob als Vertriebspartner von den meisten Vertriebsorganisationen propagiert wird, stellt er für die Unternehmen oft nur den Einstieg dar.

Klar: Die Firmen sind an Vollzeit-Mitarbeitern interessiert, die sich mit aller Energie ins Zeug legen können. Damit der Sprung von der Sicherheit eines festen Gehalts in die Ungewissheit der Selbstständigkeit nicht zu groß ist, federt das Fixum die größten Ängste ab. Klar ist aber auch, dass das Fixum nur ein Grundgehalt darstellt, mit dem man alleine auf Dauer nicht auskommen wird. Im Außendienst ist die Provision das eigentlich Interessante, denn hier gibt es theoretisch auch kaum Verdienstbeschränkungen.

Wer einen Nebenjob als Vertriebspartner annimmt, muss dies in aller Regel vom Arbeitgeber genehmigen lassen, was jedoch in den meisten Fällen kein Problem darstellt. (#03)

Wer einen Nebenjob als Vertriebspartner annimmt, muss dies in aller Regel vom Arbeitgeber genehmigen lassen, was jedoch in den meisten Fällen kein Problem darstellt. (#03)

Mancher Gigajob entpuppt sich als Luftnummer

Natürlich gibt es auch schwarze Schafe unter den Vertriebsfirmen. Der sogenannte Strukturvertrieb, bei dem man an den Einkünften der in der Hierarchie unter einem angesiedelten Mitarbeiter mitverdient, motiviert natürlich. Man macht sich keine gegenseitige Konkurrenz, sondern profitiert von den Mitarbeitern des eigenen Teams. Dabei sollte man jedoch darauf achten, nicht in eines der Pyramidensysteme zu rutschen, die ebenfalls großartige Einkünfte versprechen, aber ausschließlich auf der Neuwerbung von Mitarbeitern aufgebaut sind. Überschreitet der Strukturvertrieb eine Anzahl von drei bis sieben Ebenen, wird es einfach unseriös, weil es sich totläuft. Das bedeutet aber nicht, dass jeder Strukturvertrieb unseriös ist – es gibt auch viele seriöse Unternehmen, die sich dieses Geschäftsmodells erfolgreich bedienen.

Wer einen Nebenjob als Vertriebspartner annimmt, muss dies in aller Regel vom Arbeitgeber genehmigen lassen, was jedoch in den meisten Fällen kein Problem darstellt. Wichtig: Ein Nebenjob als Vertriebspartner im selbstständigen Bereich kann Konsequenzen für die Versicherungspflicht bei der Krankenkasse haben. Außerdem müssen die Einkünfte natürlich entsprechend bei der Steuererklärung angegeben werden. Stellenangebote gibt es viele, denn die Firmen suchen oft überregional Partner im Aussendienst und Innendienst, die sich um Einkauf und Verkauf von Waren kümmern. Mit dem Einkauf hat man im Nebenjob als Vertriebspartner aber in der Regel wenig zu tun, weil die Vertragsabwicklung mit dem Kunden direkt über das Unternehmen erfolgt.

Das gilt auch für die Rechnungsstellung und Provisionsabrechnung. Vorausgesetzt wird bei vielen Unternehmen, dass man überregional flexibel ist, also in aller Regel ein Fahrzeug zur Verfügung hat und einen Führerschein besitzt. Gerade das eigene Auto wird somit zu einem Investitionsgegenstand, bei überregional tätigen Vertriebspartnern umso mehr. Hängt die Tätigkeit im Nebenjob als Vertriebspartner vom fahrbaren Untersatz ab, sollte dieser also auch für die Betreuung von überregional ansässigen Kunden zuverlässig funktionieren.

Im Nebenjob als Vertriebspartner kann man viel Geld verdienen, wenn man bereit ist, die benötigte Zeit zu investieren. (#04)

Im Nebenjob als Vertriebspartner kann man viel Geld verdienen, wenn man bereit ist, die benötigte Zeit zu investieren. (#04)

Fazit: Der Nebenjob als Vertriebspartner ist attraktiv, aber arbeitsintensiv

Im Nebenjob als Vertriebspartner kann man viel Geld verdienen, wenn man bereit ist, die benötigte Zeit zu investieren. Und da hapert es bei vielen Bewerbern, die den Nebenjob eher als Ergänzung zum klassischen Minijob ansehen. Wer hingegen als Quereinsteiger einen Gigajob sucht, also einen grenzenlos skalierbaren Einstieg in die Selbstständigkeit, der liegt beim Vertrieb im Aussendienst richtig. Regelmäßiger Kundenkontakt mit Menschen, die den Einkauf von Zuhause aus erledigen möchten und überregional ansässige Käufer bringen viel Abwechslung, aber auch viel Stress.

Hinzu kommen rechtliche Rahmenbedingungen, die man einhalten muss, nicht zuletzt hinsichtlich des Finanzamts. Ein garantiertes Festeinkommen (Fixum) ist die Ausnahme, denn das eigentliche Geld wird über die Provisionen verdient. Vorsehen sollte man sich vor den schwarzen Schafen der Branche, die mit unseriösen Produkten oder Geschäftsmodellen schnelles Geld versprechen.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: goodluz-#01: Dean Drobot -#02: Africa Studio-#03: Everett Collection-#04: Janette Dietl

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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