Betriebshaftpflichtversicherung: Was nützt sie Selbständigen, Kleinunternehmern, Kleingewerbe und KMU wirklich

Die Betriebshaftpflichtversicherung soll Unternehmen vor finanziellen Schäden bewahren, wenn ein Haftpflichtschaden vorlag und entsprechende Forderungen des Geschädigten aufgestellt werden. Aber wann ist die Betriebshaftpflicht tatsächlich sinnvoll?

Die Betriebshaftpflichtversicherung für Unternehmen: Überblick über eine wichtige Absicherung

Viele Unternehmer versuchen, so viel Kosten wie möglich zu sparen und wollen nicht „unnötig“ in eine Versicherung investieren. Doch die Betriebshaftpflichtversicherung ist alles, nur nicht unwichtig! Sie ist für Unternehmen aller Größen relevant und kann sogar vor der Insolvenz aufgrund von Haftpflichtschäden schützen.

Was leistet eine Betriebshaftpflichtversicherung wirklich?

Schnell passiert einem Unternehmer oder einem Mitarbeiter der Firma ein Fehler, der verheerende Folgen nach sich ziehen kann. Sowohl Personen- als auch Sachschäden sind möglich, wenn zum Beispiel ein Dachziegel herabstürzt und einen Passanten trifft oder wenn das neue Parkett durch die beauftragte Reinigungsfirma dank der Verwendung des falschen Reinigungsmittels komplett ruiniert ist.

So gilt die Betriebshaftpflichtversicherung als eine der wichtigsten Versicherungen für Unternehmen.

Versichert sind hier die folgenden Risiken:

  • Personenschäden

    Eine Person stürzt auf dem Firmengelände über ein Kabel und verletzt sich schwer. Die Versicherung zahlt Schäden an Personen, wobei auch daraus resultierende Vermögensschäden in der Absicherung enthalten sind.

  • Sachschäden

    Ein Mitarbeiter beschädigt einen fremden Gegenstand, als er einen Kundenauftrag erledigt. Der Gegenstand war wertvoll und muss nun repariert werden. Die Versicherung kommt für diese und ähnliche Sachschäden auf.

  • Vermögensschäden

    Vermögensschäden entstehen zum Beispiel, wenn eine Person auf dem Firmengelände stürzt und sich das Bein kompliziert bricht. Nach der Krankenhausbehandlung schließt sich ein längerer Reha-Aufenthalt an, in dieser Zeit wird nur noch Krankengeld gezahlt. Die Differenz zwischen Krankengeld und normalem Gehalt zählt zu den Vermögensschäden und wird durch die Betriebshaftpflicht übernommen.

Richten zum Beispiel von der Weide ausgebrochene Tiere Schäden auf fremden landwirtschaftlichen Flächen oder bei Privatpersonen an, trägt die Versicherung die Kosten dafür.  ( Foto: Shutterstock- Jules van Iperen)

Richten zum Beispiel von der Weide ausgebrochene Tiere Schäden auf fremden landwirtschaftlichen Flächen oder bei Privatpersonen an, trägt die Versicherung die Kosten dafür. ( Foto: Shutterstock- Jules van Iperen)

Was bringt die Betriebshaftpflichtversicherung für Selbstständige?

Selbstständige arbeiten „selbst und ständig“ und dennoch reicht das Firmenvermögen meist nicht aus, um Personen- oder Sachschäden sowie Vermögensschäden im Versicherungsfall zu zahlen. Auch bei größter Vorsicht können Fehler bei der Ausübung der Tätigkeit entstehen, die den Selbstständigen teuer zu stehen kommen können.

Vor allem Schäden an Personen können schnell in die Millionenhöhe gehen, die Kosten für diese Schäden sind kaum in Form von Betriebsvermögen zur Seite zu legen. Wichtig: In Deutschland haftet ein Unternehmen immer in voller Höhe für Schäden, die es selbst zu verantworten hat. In voller Höhe heißt, dass die Haftung unbegrenzt ist.

Wer nicht versichert ist, zahlt ein Leben lang und muss jedes Vermögen dafür einsetzen, das er selbst zur Verfügung hat. Im schlimmsten Fall, wenn eine private Haftung nicht von der Unternehmenshaftung getrennt ist (durch Wahl der entsprechenden Rechtsform), wird sogar das private Vermögen gefordert. Wer als Selbstständiger nicht versichert ist, kann demnach Haus und Hof verlieren, wenn er Ansprüche begleichen muss.

Die Lösung ist eine entsprechende Versicherung, denn die Betriebshaftpflicht übernimmt Schadenersatzforderungen und trägt die Kosten für alle entstandenen Schäden. Wichtig ist dabei, die Deckungssumme der Versicherung hoch genug anzusetzen, denn gerade bei Personenschäden kann es schnell sehr teuer werden.

Tipp: Einige beratende und freie Berufe kommen nicht allein mit der Betriebshaftpflichtversicherung aus, sie benötigen eine Betriebshaftpflicht mit erweiterter Absicherung. Damit schützt sich zum Beispiel ein Anwalt oder Arzt vor hohen Forderungen, die infolge einer falschen Beratung oder Behandlung gestellt werden.

Außerdem gilt die Betriebshaftpflichtversicherung als ein Muss für Tierhalter. Landwirte und auch Hobbytierhalter sollten unbedingt eine entsprechende Tierhalterhaftpflichtversicherung abschließen, die bei Landwirten mit Tierhaltung in die normale Betriebshaftpflicht integriert werden kann.

Richten zum Beispiel von der Weide ausgebrochene Tiere Schäden auf fremden landwirtschaftlichen Flächen oder bei Privatpersonen an, trägt die Versicherung die Kosten dafür. Ein Vergleich der Angebote zeigt aber, dass hier vor dem Versicherungsabschluss genau hingesehen werden sollte. Es gibt viele Risiken, die von der Tierhalterhaftpflicht nicht getragen werden und die aber unbedingt abgesichert werden sollten.

Eine Person stürzt auf dem Firmengelände über ein Kabel und verletzt sich schwer. Die Versicherung zahlt Schäden an Personen, wobei auch daraus resultierende Vermögensschäden in der Absicherung enthalten sind. ( Foto: Shutterstock-Elnur)

Eine Person stürzt auf dem Firmengelände über ein Kabel und verletzt sich schwer. Die Versicherung zahlt Schäden an Personen, wobei auch daraus resultierende Vermögensschäden in der Absicherung enthalten sind. ( Foto: Shutterstock-Elnur)

Was bringt die Betriebshaftpflichtversicherung für Kleinunternehmer?

Kleinunternehmer beschäftigen keine Mitarbeiter und sie sind nur für sich selbst verantwortlich. Dennoch können ihnen freilich bei der Arbeit Fehler unterlaufen oder Missgeschicke passieren, die ohne Betriebshaftpflichtversicherung nicht gedeckt wären.

Das Problem: Kleinunternehmer erzielen bis maximal 17.500 Euro als jährliche Einnahmen, teilweise können es bis 50.000 Euro sein, das aber auch nur in einem einzelnen Jahr. Ansprüche, die sich aufgrund von Personen- oder auch Sachschäden bzw. Vermögensschäden ergeben, sind jedoch deutlich höher als diese Einnahmesummen. Somit steht ein geringes Jahreseinkommen im schlimmsten Fall einer hohen Forderung gegenüber, die ohne Absicherung kaum bezahlt werden kann.

Vorteilhaft ist die Betriebshaftpflichtversicherung für Kleinunternehmer auch aus dem Grund, weil die private Haftung ausgeschlossen werden kann. Berechtigte Forderungen werden übernommen, auch angestellte Personen auf Minijob-Basis sind mitversichert. Zudem übernimmt die Betriebshaftpflicht die Funktion der passiven Rechtsschutzversicherung und wehrt unberechtigte Forderungen ab. Versicherungsexperten sind sich einig:
Kleinunternehmer brauchen eine Betriebshaftpflichtversicherung!

Was bringt die Betriebshaftpflichtversicherung für Unternehmen?

Für Unternehmen gilt wie für alle anderen: Die Betriebshaftpflichtversicherung ist wichtig! Die Versicherung kann für natürliche und juristische Personen, für Körperschaften, Anstalten und Personengesellschaften abgeschlossen werden.

Versichert sind immer alle Mitarbeiter sowie deren Vertreter. Auch Hilfspersonen sind in der Absicherung inbegriffen. Alle Personen, die im Auftrag des Unternehmens handeln, sind somit gegen Ansprüche Dritter versichert.

Der Versicherungsschutz erstreckt sich hier ebenfalls auf Sachschäden, Personenschäden und Vermögensschäden, enthalten ist eine passive Rechtsschutzversicherung.

Viele Unternehmen bauen lediglich auf eine Betriebsunterbrechungsversicherung und vergessen darüber die Betriebshaftpflichtversicherung. Das Problem ist, dass die Betriebsunterbrechungsversicherung nicht immer hilfreich ist und dass sie schon gar nicht für Haftpflichtschäden zuständig ist.

Sie soll ein Unternehmen gegen andere Risiken schützen, wie zum Beispiel gegen die Kosten durch eine Betriebsschließung durch einen unwetterbedingten Schaden oder durch Infektionen. Die Betriebsunterbrechungsversicherung ist für viele Unternehmen verzichtbar und stellt lediglich einen Kostenfaktor dar. Die Betriebshaftpflicht hingegen ist ein Muss!

 Versichert sind immer alle Mitarbeiter sowie deren Vertreter. Auch Hilfspersonen sind in der Absicherung inbegriffen. Alle Personen, die im Auftrag des Unternehmens handeln, sind somit gegen Ansprüche Dritter versichert.  ( Foto: Shutterstock-Miriam Doerr Martin Frommherz )

Versichert sind immer alle Mitarbeiter sowie deren Vertreter. Auch Hilfspersonen sind in der Absicherung inbegriffen. Alle Personen, die im Auftrag des Unternehmens handeln, sind somit gegen Ansprüche Dritter versichert. ( Foto: Shutterstock-Miriam Doerr Martin Frommherz )

Tatsächlich optimal versichert? Wichtiges zur Betriebshaftpflichtversicherung und zu weiteren Versicherungen

Welche sind nötige Versicherungen für Unternehmen? Ab wann ist es fahrlässig, gänzlich ohne jeden Versicherungsschutz zu agieren?

Sicherlich ist die Beantwortung dieser Frage auch von der Branche sowie der Art der Tätigkeit abhängig, denn wer zum Beispiel keinen direkten Kundenverkehr hat und in seinem eigenen Büro bleibt, braucht den Versicherungsschutz eher für seine Leistungen als für Personenschäden. Bei einem Handwerker sieht das ganz anders aus!

Was ist bei der Betriebshaftpflichtversicherung tatsächlich wichtig?

Resultieren Vermögensschäden zum Beispiel aus fehlerhaften Dienstleistungen, ist die Entschädigung dafür meist nicht in der Betriebshaftpflichtversicherung inbegriffen.

Hier muss die Berufshaftpflichtversicherung greifen, die unter anderem für Ärzte oder Anwälte zwingend nötig ist. Ein guter Versicherer bietet beide Versicherungen in Kombination an bzw. erweitert die Betriebshaftpflicht um die Deckung der Risiken aus der Berufshaftpflicht.

Viele Unternehmer und vor allem Existenzgründer machen sich Sorgen um die Kosten, die für ihre Absicherung entstehen. Dabei ist eine gute Betriebshaftpflichtversicherung noch nicht einmal teuer!

Die Kosten dafür berechnen sich aufgrund der Branche und damit der Risiken, des Weiteren begründen sie sich durch die vereinbarten Deckungssummen. So können zum Beispiel fünf Millionen Euro für Personenschäden vereinbart werden, aber auch zehn Millionen sind möglich.

Die Höhe der Deckungssumme muss sich nach den individuellen Risiken richten, die im Einzelnen vorliegen. Insgesamt sind die Kosten für die Betriebshaftpflichtversicherung aber natürlich deutlich geringer, als wenn Schäden selbst beglichen werden müssen.

Der Versicherungsschutz umfasst überdies die Mitarbeiter bei allen Tätigkeiten, die sie für das Unternehmen ausführen. Das bedeutet, dass diese auch dann geschützt sind, wenn sie beispielsweise die Deko für die Weihnachtsfeier der Firma aufhängen und beim Herabsteigen von der Leiter den Caterer zur Seite stoßen.

Dieser stürzt und bricht sich dabei das Handgelenk. Der Versicherungsschutz der Betriebshaftpflichtversicherung ist ausreichend und übernimmt die Kosten für die Behandlung des Geschädigten.

Ein Mitarbeiter beschädigt einen fremden Gegenstand, als er einen Kundenauftrag erledigt.  ( Foto: Shutterstock- Phovoir  )

Ein Mitarbeiter beschädigt einen fremden Gegenstand, als er einen Kundenauftrag erledigt. ( Foto: Shutterstock- Phovoir )

Welche Versicherungen sind wichtig?

Häufig versuchen gerade Existenzgründer, so lange wie möglich ohne weitere Absicherung durch den Unternehmensalltag zu kommen. Schwierig wird es nur dann, wenn auf einmal Ansprüche und Forderungen über hohe Kosten auf dem Schreibtisch landen, weil ein Haftpflichtschaden geltend gemacht werden soll.

Ein Vergleich der Kosten für die Versicherung und der im Schadensfall zu zahlenden Summe zeigt aber rasch, dass die jährlichen Beiträge verschwindend gering sind. Dafür besteht im Falle von Schäden aber eine umfassende Absicherung. Somit gilt, dass jeder die Risiken bei der Existenzgründung absichern sollte und dass hier die Betriebshaftpflicht unverzichtbar ist.

Doch auch weitere Versicherungen sind empfehlenswert, um eine umfassende Absicherung sicherzustellen und somit zu gewährleisten, dass das junge Unternehmen ausreichend versichert ist:

  • Geschäftsversicherung

    Versichert sind hier die Risiken Einbruchdiebstahl und Raub, Leitungswasserschäden, Schäden durch Sturm und Feuer sowie Glasbruchschäden.

    Versichert sind hier die Risiken Einbruchdiebstahl und Raub, Leitungswasserschäden, Schäden durch Sturm und Feuer sowie Glasbruchschäden.  ( Foto: Shutterstock-Andrey Burmakin )

    Versichert sind hier die Risiken Einbruchdiebstahl und Raub, Leitungswasserschäden, Schäden durch Sturm und Feuer sowie Glasbruchschäden. ( Foto: Shutterstock-Andrey Burmakin )

  • Betriebsunterbrechungsversicherung

    Diese Versicherung hat zahlreiche Ausschlüsse, ein Vergleich der Leistungen ist vor dem Abschluss unbedingt anzuraten!

  • Umweltschadenhaftpflichtversicherung

    Entgegen ihres Namens ist es keine Pflichtversicherung, diese Absicherung kann in die Betriebshaftpflichtversicherung aufgenommen werden. Dies gilt des Weiteren für die Produkthaftpflichtversicherung, die Schäden im Rahmen der Haftpflicht des Herstellers, Händlers oder Zulieferers abdeckt.

  • Rechtsschutzversicherung

    Nicht zwingend nötig, eine passive Rechtsschutzfunktion hat auch die Betriebshaftpflicht. So wehrt unberechtigte Ansprüche ab. Wer Mitarbeiter beschäftigt, kann jedoch zumindest im Kündigungsfall von der Rechtsschutzversicherung profitieren, denn sie übernimmt die Kosten, die sich durch die Ausübung der geschäftlichen Tätigkeit ergeben.

  • Kfz-Versicherung

    Diese ist für Fahrzeuge des Fuhrparks meist als Flottenversicherung abzuschließen. Sie entspricht in ihren Leistungen in der Regel der privaten Kfz-Versicherung.

  • Elektronikversicherung

    Wer bei der Arbeit auf die einwandfreie Funktion der elektronischen Geräte angewiesen ist, sollte eine Elektronikversicherung abschließen. Diese kann auch in der Inventarversicherung inbegriffen sein.

Weitere Versicherungen, die für Unternehmen interessant sein können, sind die Transport- und Maschinenversicherung. Außerdem ist die Vertrauensschadenversicherung zu nennen, die Schäden durch eigenmächtige Handlungen von Mitarbeitern abdeckt, die wiederum dem Unternehmen geschadet haben.

Video: Die 7 wichtigsten Versicherungen für Unternehmer und Selbstständige (inkl. Altersvorsorge)

Fazit

Versichern lässt sich fast alles, der Existenzgründer muss jedoch eine Auswahl treffen und entscheiden, welche Absicherung wirklich wichtig ist. Bei einem Vergleich sollten zudem die kompletten Kosten berücksichtigt werden.

Viele Angebote nennen Preise „ab xx Euro im Monat“, wobei das wichtige Detail das Wörtchen „ab“ ist. Die Gesamtbeiträge liegen in der Regel deutlich höher und müssen für einen umfassenden Vergleich erst einmal berechnet werden. Jeder Euro zählt!

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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