Gastro-IoT: In Echtzeit aus den Krisen

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Die Meldungen über Gastro-Betriebe, die in wirtschaftliche Krisen geraten, scheinen seit Jahren kein Ende zu nehmen. IoT-Projekte zwischen der Food Branche und IT-Unternehmen entwickeln zunehmend Lösungsmöglichkeiten dagegen.

Gastronomie in der Krise

Als der Lockdown beschlossen wurde, war früh absehbar, dass die Gastro-Branche mit zu den Hauptleidtragenden der Krise zählen würden. Der enge Kontakt der Gastgeber und Bedienungen zu den Kunden, unter den Mitarbeitern und zwischen Betreibern und Lieferanten wurde im Food- und Eventbereich gerne und oft zu einem Haupttreiber in der Pandemie hochstilisiert. Die Folgen waren katastrophal. Betriebe, die auf eine regelmäßige Kundenfrequenz infrastrukturell angewiesen sind, standen monatelang vor leeren Tischen und Räumen. Die Verträge mit Vermietern und Zulieferern waren in den seltensten Fällen kurzfristig anpassbar. Viele versuchten ihre Unternehmen mit außer Haus-Geschäften am Laufen zu halten, mit überschaubarem Erfolg.

Gastro: IoT gegen Lockdownschäden

Ein noch größeres Problem war aber die Aufrechterhaltung der Kühlkette während der zwangsweisen Schließung. Wie sollte Personal, das sich krisenbedingt früh nach neuen nicht untersagten Erwerbsmöglichkeiten umsah, dafür sorgen, dass bereits gelieferte oder noch ausstehende zu kühlende Lebensmittel nicht verderben? Das Schweizer IT-Unternehmen copebit bot dem Luzerner Restaurant Mill F´euille dafür eine passende Lösung an. Temperatursensoren wurden in Kühlschränke und Tiefkühler eingebaut und mit dem LowPower-Netz von copebit vernetzt. Mittels eines Dashboards konnten die Restaurantbesitzer nun jederzeit in Echtzeit die Zustände ihrer Waren überprüfen. Eventuelle Missstände lösten sofort dabei Alarme aus, um größere Schäden zu verhindern.

Gastro-Krise: Roboter gegen Mitarbeitermangel

Ein weiterer Faktor, der die Schieflage vieler Gastro-Betriebe erklärt, ist ein Phänomen, welches auch viele andere Wirtschaftssegmente beklagen. Durch eine überalternde Erwerbsbevölkerung, herausfordernde Arbeitszeitmodelle und vergleichsweise niedrige Gehälter ist die Nachwuchsgewinnung nicht nur in diesem Segment ein stetig wiederkehrendes Problem.

Spyce. com scheint dafür eine elegante Lösung gefunden zu haben. Das von vier MIT-Studenten gegründete Bostoner Unternehmen hat ein Restaurant entwickelt, indem Kunden bereits vorab online auswählen können, welches Gericht sie in welcher Form sie gerne vor Ort hätten. Die kostengünstigen Essen werden von programmierten und vernetzten Küchengeräten in kürzester Zeit zubereitet und ausgegeben. Die Roboter sorgen zudem durch ihre selbstreinigenden Fähigkeiten auch für die Einhaltung gängiger Hygienestandards.

Gastro-Krise: IoT gegen Zeitdruck

Kennzeichen der meisten Unternehmen im Gastronomiebereich ist ein ständiges Zeitproblem. Kunden erwarten nach einer zügigen und vollständigen Aufnahme ihrer Essenswünsche die zeitnahe Lieferung ihrer Bestellungen. Die sich ausweitende Lieferdienstmentalität erhöht diesen Druck zusehends. Auf der anderen Seite steigt mit dem Wachstum der Küchen bei gleichbleibendem oder sogar abnehmendem Personalbestand der Druck auf die verbliebenen Mitarbeiter. Immer mehr, immer ausgefallenere Gerichte, die auf immer mehr Unverträglichkeiten treffen, müssen in immer kürzeren Zeitabständen in gleichbleibender oder gar zunehmender Qualität ausgeliefert werden. Zeitgleich sollen Arbeitschutz- und Hygienerichtlinien nicht vernachlässigt werden. Oft erscheint das viele, wie die sprichwörtliche Quadratur des Kreises.

Die Maschinenfabrik Kurt Neubauer GmbH bietet an, hier Abhilfe zu schaffen. Die Wolfenbütteler Firma entwickelt seit Jahren für Profiküchen weltweit multifunktionale Techniklösungen zur Vereinfachung der Arbeitsabläufe. Im Verbund mit der Telekom Cloud-Technologie werden seit neuesten beispielsweise Küchengeräte mit Rezeptanleitungen so vernetzt, dass Kunden auf Knopfruck ihre Gerichte in der bekannten Qualität ordern können. Das spart nicht nur Zeit und Kosten, sondern minimiert auch den personellen Bedarf. Darüber hinaus lassen sich auch Nutzerdaten erfassen, speichern und analysieren, was enormes Potential für kundenspezifische Innovationen liefern kann. Aber auch der Ressourcenverbrauch bei Wasser und Strom lässt sich so optimieren. Ebenso wie sich Gerätereinigungs- und Raumhygienezustände überwachen lassen.

Über den Autor

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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